Tegernseer Krippenschau und 1. Tegernseer Krippenweg
Einige Ausstellungsstücke befinden sich im Besitz der engagierten Vereinsmitglieder, manches wurde für die Dauer der Ausstellung als Leihgabe überlassen. So hat z.B. auch Frater Stefan Janker OSB vom Kloster Andechs mit einer seiner selbst gefertigten Krippen zur diesjährigen Krippenschau beigetragen.
Der besondere Stolz der Veranstalter ist die vereinseigene Stegmaier-Krippe, die von den Krippenfreunden schon bald nach der Vereinsgründung in den Achtzigerjahren bei einer Auktion erworben wurde. 27000 DM waren damals aufzubringen, um das reich ausgestattete Schmuckstück mit den über 100 Figuren und der beachtlichen Größe von 22 qm an den Tegernsee zu bringen. Die Gliederfiguren sind aus Lindenholz geschnitzt und datieren aus dem 19. Jahrhundert. Der kunsthandwerklich begabte Spengler Josef Stegmaier aus Bad Tölz, Vorbesitzer und Namensgeber dieser monumentalen Krippenlandschaft, ergänzte die Szenerie mit detaillierter landschaftlicher Ausstattung, Häusern, allerlei Gerätschaften und einem über 1 Meter hohen Turm. Passend zum orientalischen Szenarium gehört ein über 70cm großer Elefant mit Sänfte zu dem liebevoll gestalteten Ensemble. Bedenkt man, dass zwischen 1803 und 1825 in Bayern ein Krippenverbot verhängt wurde, so war diese spätere Großinszenierung vielleicht die späte Antwort auf die Restriktionen.
Dass die Weihnachtsgeschichte nicht nur traditionell dargestellt, sondern auch in zeitgemäßer Gestaltung interpretiert werden kann, beweisen die Arbeiten des Künstlerpaars Waltraud und Gaetano Milazzo, die auch in der diesjährigen Krippenschau wieder mit Ausstellungsobjekten vertreten sind. Die am Tegernsee ansässigen Künstler transportieren Maria und Josef und ihren neugeborenen Sohn mitsamt Ochs und Esel in eine Tonschale, die ihnen Geborgenheit und Schutz bietet. Drei Hirten lehnen am Rand der Schale und blicken zum Firmament auf, zwei weitere schauen zur Heiligen Familie hinunter. Hier wird nicht die christliche Zeitenwende bemüht, denn die dargestellten Personen nehmen keine Anleihe bei althergebrachten Traditionen. Aus dem Hier und Heute, aus unsere Mitte, stammen diese Maria und ihr Josef, gekleidet wie es im 21. Jahrhundert alltäglich ist.
Fest in der Gegenwart verwurzelt und sind auch die Motive eines Fliesenzyklus von Waltraud Milazzo, die Bibelexcerpte um Empfängnis, Geburt und Flucht illustriert und im Gegensatz zu überlieferten Darstellungsweisen Phantasie und Humor der Betrachter bemüht. Symbolisiert die Künstlerin doch z.B. den kleinen Jesus durch einen profanen Schnuller und reduziert die heilige Mutter Gottes und den Ziehvater Josef auf eilig flüchtende Beine und hektische Arme, die beinahe in Comic-Manier der bedrohlichen Situation zu entkommen suchen.
So spannt sich der Bogen dieser Krippenschau von historischen Krippen über Bauernkrippen zu Darstellungsformen im aktuellen Zeitbezug. Während der täglichen Öffnungszeiten der Ausstellung von 14 bis 18 Uhr kann man sich beim Rundgang von anwesenden Vereinsvertretern auch manche Geschichte über die ausgestellten Krippen erzählen lassen und bekommt gern sachkundige Antwort auf Fragen zu den präsentierten Stücken.
Als Erinnerung oder zur Ausschmückung der häuslichen Familienkrippe kann man bei der Tegernseer Krippenschau auch schöne, handwerklich gearbeitete Krippenfiguren, Miniaturgerätschaften, Krippenzubehör und diverse Klosterarbeiten erwerben.
Den Besuch der Ausstellung beschließt man am besten mit einem gemächlichen Schaufensterbummel durch die Bahnhof-, Rosen- und Hauptstraße. Auf dieser Strecke haben in diesem Jahr Tegernseer Geschäftsleute zum ersten Mal im Rahmen des 1. Tegernseer Krippenwegs ihre Schaufenster mit Krippen geschmückt. Teils handelt es sich dabei um Familienkrippen, teils um Leihgaben, die den weihnachtlichen Spaziergang in der frühen Dämmerung stimmungsvoll und heimelig machen.
Der 1. Tegernseer Krippenweg präsentiert seine Schaustücke noch bis zum 6.1.2010.
Die Krippenausstellung des Tegernseer Krippenvereins im Pfarrzentrum Quirinal in der Seestraße 23 bleibt sogar bis zum 2. Februar 2010 für das Publikum geöffnet.Eintritt wird nicht erhoben - eine kleine Spende als Anerkennung für die Wahrung und Pflege des Krippenbrauchtums wäre aber eine schöne Geste.
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